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Vier Olympia-Diplome als Minimalziel

Mit einer zurückhaltenden, realistischen Zielsetzung steuert der Schweizerische Rudersportverband (SRV) ins Olympiajahr 2004. Der seit den 90er Jahre an Olympischen Sommerspielen erfolgreichste schweizerische Sportverband erhofft sich, wie an der Delegiertenversammlung im zürcherischen Rüschlikon bekanntgegeben wurde, Mitte August in Athen als Minimalziel vier Diplomränge. Generell gesehen soll wieder Anschluss gefunden werden an die internationale Spitze.


SRV. Aktuell haben sich auf Grund der WM-Ränge von Ende August in Mailand drei SRV-Boote (Männer: Skiff und Doppelvierer; Frauen: Skiff) für Athen qualifiziert. Der SRV werde, so Präsident Marc Furrer, Bolligen, aber alles daran setzen, noch zwei weitere Olympia-Startberechtigungen zu holen, um zumindest in Bezug auf die personelle Stärke an die Delegationen von Atlanta und Sydney anknüpfen zu können.
Im Vordergrund stehen als Ergänzung des Schweizer Teams die beiden Leichtgewichts-Doppelzweier; bei den Männern bewerben sich Markus Gier, Silvan Aerni und Stefan Steiner um die beiden Positionen im Boot, bei den Frauen sind dies die vier Athletinnen Ariane Bänninger, Nora Fiechter, Lea Fluri und Pamela Weisshaupt. Mit einem ausgeklügelten Selektionsprozedere, insbesondere auch internen Ausscheidungen, sollen im nächsten Frühjahr jene zwei Bootsequipen nominiert werden, denen man die besten Chancen zutraut, sich an der Olympia-Qualifikationsregatta in Luzern (13. bis 16. Juni 2004) das Griechenland-Ticket zu sichern. Die Entsendung von fünf Booten nach Athen sei ein ehrgeiziges Ziel, so der Technische Direktor des SRV und Leistungssport-Verantwortliche, Lukas Rieder, Sarnen. Das Potenzial für die erfolgreiche Umsetzung des Szenarios sei aber vorhanden, mit Hochdruck werde die kommende Saison vorbereitet. So konnten diese Woche zwei Trainingslager, eines in Südfrankreich, ein anderes auf dem Bodensee, abgeschlossen werden.
Erwähnt wurde an der DV zudem, dass Xeno Müller in Kalifornien in ein intensives Trainingsprogramm eingestiegen sei; dies deute darauf hin, dass es im kommenden Jahr zwischen Müller und dem Sempacher André Vonarburg zu einer spannenden und nichjt zuletzt medienträchtigen teaminternen Ausmarchung um den Olympia-Startplatz kommen könnte.

Nachwuchs: Die Basis für Peking 2008 legen

Parallel zur Vorbereitung der Olympia-Mannschaft werden die Bemühungen um einen starken Nachwuchs - zum Teil bereits mit einem Zeithorizont bis 2008 Peking - intensiviert. An der U-23-World-Regatta im polnischen Poznan erhofft sich Nachwuchs-Nationaltrainer Ueli Bodenmann, Sarnen, drei Boote im Final, an den Junioren-WM in Banyoles (Spanien) zwei Boote und am Coupe de la Jeunesse, den Nachwuchs-Wettbewerb in Ravenna (Italien), den 3. Platz im Mannschaftsklassement. Zudem wird 2004 auch die WM der Nicht-olympischen-Bootsklassen in Banyoles beschickt: Dort sollten zwei bis drei Nachwuchs-Boote die entsprechenden Finals erreichen. Für Rieder wie Bodenmann steht fest, dass jetzt die Grundlagen geschaffen werden müssen für ein ebenfalls wieder starkes Schweizer Ruderteam in Peking. Auf die Beine gestellt wurde deshalb - mit ersten Etappenzielen 2005 - seitens des RC Reuss Luzern auch ein Männer-Doppelvierer-Projekt.

Finanziell nach der Decke strecken

Auch wenn der SRV auf die tatkräftige Unterstützung von Swiss Olympic sowie wichtigen Sponsoren (Sport 164, TCS, KPMG und weitere) zählen darf und für 2004 mit einem Budget von gesamthaft 1,553 Mio Fr. arbeitet, sind nach SRV-Finanzchef Martin Steiger, Laufenburg, eine äusserst vorsichtige Ausgabenpolitik und ein strenges Controlling unabdingbar. Für das kommende Jahr rechnet der SRV (bei unveränderten Mitgliederbeiträgen) mit einem minimen Einnahmenüberschuss von rund 3000 Fr. Das vergangenen Rechnungsjahr konnte bei Ausgaben von 1,624 Mio Fr. mit einem Positivsaldo von 17437 Fr. abgeschlossen werden.
Nach wie vor gestalte sich die Finanzierung des Verbandes und damit das Sponsoring als äusserst schwierig. Hingegen fällt der SRV-Verbandsleitung immer wieder auf, wie verschiedene Firmen in ihrer Werbung auf den Rudersport als Inbegriff und Aushängeschild für Teamarbeit, Dynamik, Naturverbundenheit usw. zurückgreifen. Kontaktiere man dann allerdings diese Unternehmen, so SRV-Kommunikationschef Markus Köchli, Wolhusen, müsse man mit Ernüchterung feststellen, dass sich die Bereitschaft für eine Unterstützung zumeist in engsten Grenzen halte.

SRV prüft Einführung einer Lizenz

Ausgehend von einer Forderung des Internationalen Rudersportverbandes FISA wird der SRV nicht darum herumkommen, für Ruderinnen und Ruderer, die an international ausgeschriebenen Regatten teilnehmen, eine Lizenz einzuführen; dies nicht zuletzt, um sich in Schadenfällen (gesundheitlicher oder versicherungstechnischer Art) rechtlich gegen mögliche Ansprüche abzusichern. An einer ausserordentlichen DV im kommenden Frühjahr soll die Ausgestaltung einer solchen Lizenz (verlangt werden der Nachweis eines Gesundheits-Checks sowie einer Versicherung)  diskutiert und entscheiden werden. Der Verbandsleitung schwebt ein unbürokratisches, effizientes System vor.

Ruderclub Sihlsee: SRV-Mitglied Nummer 72

Mit Freude und Genugtuung stimmte die DV der Aufnahme des Ruderclubs Sihlsee (RCS) in den SRV zu. Damit zählt die Dachorganisation des Rudersports in der Schweiz aktuell 72 Vereine mit etwas mehr als 8500 Mitgliedern. Im letzten Jahr erhöhte sich die Zahl der Mitglieder um annähernd 400 Aktive, was beweise, wie populär Rudern in der Schweiz sei, betonte Präsident Marc Furrer.
Freuen dürfe man sich zudem auch an der Prosperität der Klubs; angesprochen wurde damit der Veranstalter der diesjährigen DV in Rüschlikon. Der Belvoir Ruderclub Zürich setzte seinen Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen mit der Organisation der SRV-Jahresversammlung die Krone auf. Im nächsten Jahr trifft sich die «Ruderer-Landsgemeinde» in Luzern; dort feiert der RC Reuss, einer der tragenden Klubs in der Schweiz, seinen 100. Geburtstag.

Die weiteren Traktanden der DV in Kurzform:

Ehrungen: Nora Fiechter wurde - in Abwesenheit, da im Trainingslager - für ihre Silbermedaille im Frauen-Skiff an der U-23-World-Regatta geehrt. Marc Nater (Teamchef A) sowie Rainer Nigg (Teamchef Junioren) wurde für ihre Arbeit im Dienste der entsprechenden Equipen gedankt. Nater wurde abgelöst durch Thomas Hofer, Nigg durch den unermüdlich für den SRV und den Rudersport arbeitenden Walter «Zöri» Zürcher.

Breitensport: Im Vordergrund stehen verschiedene Wanderfahrten und als Höhepunkt die Bilac zwischen Neuenburg und Biel über 30 km am 18. September 2004.

Spitzensport-Handbuch: An einem Kick-off-Meeting im Dezember 2003 werden insbesondere die Anliegen der Trainer für die zukünftige Ausgestaltung der «Spitzensport-Bibel» diskutiert.

Ablösung Präsident: Statutarisch bedingt wird Präsident Marc Furrer nach acht Jahren an der Spitze des SRV an der DV vom 27. November 2004 sein Amt zur Verfügung stellen. Die Nachfolge ist eingefädelt.

Haus des Rudersports in Sarnen: Die Unterkunftspreise werden inskünftig der Dauer des Aufenthaltes angepasst; je länger das Zimmer belegt ist, desto interessanter wird der Übernachtungspreis. Neu wird eine Grundgebühr von 10 Fr. pro Aufenthalt verrechnet, damit die Kosten des Hauses (Reinigung usw.)  gedeckt werden können.



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