SRV. – Wie schon am Samstag mit dem 5. Platz sorgte auch am zweiten Finaltag der Internationalen Hügelregatte in Essen der schwere Doppelvierer aus Schweizer Sicht für das wertvollste Ergebnis. Olivier Gremaud/Christian Stofer/Florian Stofer/Reto Niedermann erreichten hinter dem deutschen Weltmeisterboot Willms/Volkert/Geisler/Sans, den Holländern Bartmann/Cirkel/Simon/Eggenkamp und den Briten Ockendon/Langridge/Wells/Fieldhouse Rang 4. Das Quartett erhielt damit die Bestätigung, auf höchster Ebene mit der Spitze mithalten zu können; zeitlich hielt sich der Rückstand auf die Niederländer am zweiten Finaltag mit 3,41 Sekunden und von 1,34 Sekunden auf die Engländer in Grenzen. Nur die Deutschen lagen erwartungsgemäss ausser Reichweite. Das Boot, betreut von Projekttrainer Alexander Ruckstuhl, kann - auch wenn noch ein weiter Weg bis zur Olympiaqualifikation zurückzulegen ist - dem Weltcup-Auftakt in zwei Wochen in Mailand mit Zuversicht und Optimismus entgegenblicken.
Aufschlüsse erhielt der SRV in Essen auch über die Möglichkeiten des leichten Doppelzweiers auf internationaler Ebene – und zwar im Moment eher in negativer Richtung. Die auf dem Baldeneysee im Sinne eines Experimentes gefahrenen Zusammensetzungen vermochten nicht zu reüssieren. Auch am zweiten Wettkampftag vermochten weder Markus Gier /Tim Eichmann (4. im Vorlauf) noch Stefan Steiner/Silvan Aerni (ebenfalls 4. im Vorlauf) zu reüssieren. Im B-Final um die Plätze 7 bis 12 wurden Steiner/Aerni 3 (9. im Schlussklassement) und Gier/Eichmann 4 (10.). Die mannschaftsinterne Entscheidung fiel mit 1/100-Sekunde Differenz äusserst knapp aus. Nach dem unbefriedigenden Abschneiden der beiden leichten Doppelzweier entschieden die vier Athleten zusammen mit ihrem Trainerduo Pierre Hofer/Alfred Heimgartner, sich in den kommenden fünf Wochen auf das Training zu konzentrieren und auf einen Start an den Weltcup-Rennen in Mailand zu verzichten.
Nach Oberitalien wird hingegen Remigi Waser reisen. Der Stansstader wird neben André Vonarburg (der in Essen nicht am Start war) in die Skiff-Konkurrenz eingreifen. Waser verdiente sich die Nomination für den Weltcup-Auftakt mit mutig gefahrenen Rennen in Essen. Nominiert für Mailand wurde zudem der Leichgtewichts-Vierer-ohne. Das Westschweizer Quartett Marc Lany/Sébastien Scheidegger/Marc Hafner/Frédéric Hanselmann belegte im Vorlauf vom Sonntag Platz 4 hinter den Franzosen, den Irländern und den Deutschen, schlugen aber die Chinesen und die stärker eingeschätzten Spanier.
Im B-Bereich der Männer vermochten die Nachwuchsleute aus der quantitativ grossen Schweizer Equipe die in sie gesetzten Erwartungen gemäss den Vorgaben zu erfüllen, ohne dass es aber zu Exploits kam. Der RC Reuss-Vierer-ohne mit Philipp Huwiler/Roman Ottiger/Remigi Hurschler/Alain Marfurt belegte in der allerdings quantitativ schwach besetzten Regatta vom Sonntag hinter einer deutschen Renngemeinschaft Platz 2. Weitaus wichtiger als das Resultat vom Wochenende scheint die Feststellung, dass die Luzerner gegenüber der letzten Saison deutlich Fortschritte gemacht haben. Im Einer erreichte im B-Final der Tessiner Fabrizio Güttinger Platz 4 (10. im Schlussklassement), Stefan Sax konnte sich als Vorlauf-Vierter nicht für ein Finalrennen qualifizieren. Erstmals internationale Wettkampfluft schnupperte der Leichtgewichts-Doppelzweier Daniel Lukac/Markus Ni (3. B-Final). Klar aufgedeckt erhielten Stephan Koller/Philipp Oggenfuss ihren aktuellen Leistungsstand; am Sonntag blieb es beim 5. und letzten Vorlaufplatz. Vorläufig wird das Duo aus baden kaum mehr mit internationalen Einsätzen rechnen dürfen.
Frauen: Drei Leichtgewichts-Einer im Final
Bei den Frauen sorgten aus Schweizer Optik die drei Leichtgewichts-Einer-Fahrerinnen Lea Fluri, Ariane Bänninger und Nora Fiechter für die Überraschung des Sonntags; das Trio erreichte mit den Vorlaufplätzen 1 (Fiechter) und 2 (Fluri und Bänninger) den A-Final. Im Final musste sich Nora Fiechter nur der Deutschen Marie-Louise Dräger geschlagen geben, 3. wurde Janet Radünzel, 4. Lea Fluri. Bänninger, via Klub für die Rennen in Essen nominiert, meldete sich für das Finalrennen ab.
Ob dieser guten Basis an Leichtgewichts-Skullerinnen wäre es erstrebenswert, im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele Athen einen starken Leichtgewichts-Doppelzweier formieren zu können. Entscheidend wird allerdings sein, wie sich die in Frage kommenden Athletinnen zu einer möglichen Projektgemeinschaft stellen. So wie sich die Situation im Moment präsentiert, wird seitens der Verbandsleitung bei den involvierten Athletinnen viel an Überzeugungsarbeit nötig sein.
Nicht auf die gewünschten Resultate kam in Essen im offenen Skiff der Frauen Carolina Lüthi. Die Luzernerin, am Sonntag in ihrem Vorlauf hinter der Spanierin Nuria Dominguez, der Niederländerin Hurnet Dekkers und der Amerikanerin Kristin Goodrich lediglich 4, fuhr zwar am zweiten Wettkampftag in Essen ein engagierteres Rennen als am Samstag und konnte die zeitlichen Rückstände in Grenzen halten, musste sich aber gleichwohl ohne eine A- oder B-Finalqualifikation verabschieden. Die Skullerin vom RC Reuss Luzern wird sich nun mit ihrem Projekttrainer Frank Rogall in Hazewinkel auf den weiteren Verlauf der Saison vorbereiten. Wie hart es auf internationaler ebene zu und her geht, bekam auch im Nachwuchsbereich Martina Ernst zu spüren; die B-Athletin kam in ihrem Vorlauf nicht über den 6. Platz hinaus.
Eberhard Mund wird Berater des SRV
Im Rahmen der Internationalen Hügelregatta in Essen gab der Schweizerische Ruderverband (SRV) bekannt, dass Eberhard Mund (63) ab sofort als Berater den fünf Schweizer Olympia-Projekttrainern zur Verfügung stehen wird. Der Deutsche Mund, der über eine Zeitdauer von mehr als zehn Jahren den Französischen Ruderverband als technischer Berater/Direktor auf höchstem Niveau begleitete und zahlreiche Erfolge feierte, sieht seine Aufgabe beim SRV ganz klar im beratenden Sinn, ohne dass er direkt Einfluss nimmt auf die Entscheidungen sowohl der Projekttrainer wie auch der Verbandsleitung. Die von der Verbandsleitung ins Leben gerufene Beratertätigkeit konzentriert sich auf die Olympiaprojekte und ist zeitlich auf 2003 und das Olympiajahr 2004 limitiert. Mund wird weiterhin in Paris wohnhaft bleiben. Der Vorschlag des SRV wurde von den in Essen anwesenden Trainern begrüsst.
SCHWEIZERISCHER RUDERVERBAND
Ressort Kommunikation SRV
Markus Köchli