SRV. - USA, Italien und Deutschland bei den Männern und Australien, Rumänien und die Niederlande bei den Frauen setzen in den beiden Achter-Finals die Schlusspunkte hinter ein Weltgipfeltreffen des Rudersports, das im Nach-Olympiajahr zwar nicht dramatische Umwälzungen an der Spitze, dennoch aber einen Stellungsbezug Richtung Sommerspiele 2008 brachte. An Titeln gemessen dominierten die beiden Down-under-Nationen Neuseeland mit viermal Gold (Skiff der Männer, Zweier ohne der Männer, Zweier ohne der Frauen und Doppelzweier der Frauen) sowie Australien mit drei Titeln (Zweier mit Steuermann der Männer, Vierer ohne der Frauen und Achter der Frauen) das erste rudersportliche Grossereignis seit 1964 (Olympische Sommerspiele in Tokio) auf dem asiatischen Kontinent. Zwei Titel holten Italien, Grossbritannien und Frankreich. Einmal Gold – dies im Leichtgewichts-Doppelzweier der Frauen – gab es für die früher erfolgverwöhnten Deutschen.
Quantitativ führt Italien den Medaillenspiegel mit acht Auszeichnungen (zweimal Gold, dreimal Silber, dreimal Bronze) an, immer bezogen auf die 14 olympischen und 9 nicht-olympischen Bootsklassen, nicht aber mit eingerechnet die Medaillen in den Behindertenrennen, die der Weltruderverband Fisa neuerdings in seiner Medaillenbilanz führt. Sechs Medaillen (einmal Gold, zweimal Silber, dreimal Bronze) gewannen die Deutschen, je fünf (3/1/1) die Australier und die USA (1/2/2), vier die Neuseeländer (4/-/-) und die Engländer (2/2/-).
Cop und Spik und vier Australierinnen
Mit dem Gewinn von Silber ergänzten die beiden Slowenen Iztok Cop und Luka Spik ihre bereits vorher ansehliche Medaillensammlung von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen mit einer weiteren Auszeichnung. Nach dem Sieg im Doppelzweier holten die beiden hinter dem polnischen Skuller-Vierer am zweiten WM-Tag im Doppelvierer Silber. Auf die Zukunft angesprochen meinte Cop allerdings, Doppelstarts seien – vor allem an den Sommerspielen von Beijing – kaum mehr realisierbar. In den nächsten Jahren würden weitere Nationen im Doppelvierer dazu kommen und die Rennen deshalb noch härter.
Gar mit zwei goldenen Auszeichnungen reisen die Australierinnen Robyn Selby Smith, Kate Hornsey, Emiliy Martin und Pauline Frasca nach Hause; sie hatten in dieser Zusammensetzung nicht nur den Frauen-Vierer gewonnen, sondern auch das Gerippe des australischen Gold-Achters gebildet.
Schweizer nur bei den Leichtgewichten zufrieden stellend
Für die Schweizer reichte es in Gifu zu den Plätzen 4 (Tim Eichmann im Leichtgewichts-Einer der Männer), 8 (Lea Fluri im Leichtgewichts-Skiff der Frauen), 14 (Stephan Koller, Roland Altenburger, Remo Süess und Alain Marfurt im Vierer ohne) sowie 15 (Florian Stofer und Olivier Gremaud im Doppelzweier) Während die beiden Boote in den nicht-olympischen Klassen die vom Verband vorgegeben Ziele erreichten, verpasste der Doppelzweier Stofer/Gremaud die Vorgaben deutlich. Der Vierer ohne reiste mit dem Bonus eines Nachwuchsprojektes nach Japan; die Rennen auf dem Nagara River und das ganze Umfeld brachten dem Riemen-Quartett mit Koller/Altenburger/Süess/Marfurt wichtige Erfahrungen für die Zukunft, die das ersts vor zehn Monaten ins Leben gerufene Projekt vor sich hat. Hans-Rudolf Schurter, seit November des vergangenen Jahres Präsident des Schweizerischen Ruderverbandes, sieht seine Zielsetzungen an den WM nicht erfüllt und machte bei den Schweizer Athleten im Vergleich mit der ausländischen Konkurrenz primär ein Minus in der physischen Stärke aus. Schurter: „Die enorme Leistungsdichte an diesen ersten WM nach den Sommerspielen von Athen zeigt, dass nur eine sehr gute physische Vorbereitung zu Erfolgen führen kann. Hier muss in der Schweiz wesentlich konsequenter gearbeitet werden.“ Die Schweiz als kleine Rudersportnation müsse zudem den Bereich Leistungssport noch stärker fokussieren. Schurter: „Diese Diskussion muss als Konsequenz der WM-Resultate der letzten Jahre geführt werden. Im Hinblick auf die Sommerspiele 2008 müssen wegweisende Entscheide bereits in diesem Herbst gefällt und sofort umgesetzt werden. Bereits 2007 sind die Quotenplätze für Beijing zu holen, lange Entscheidungsphasen können wir uns deshalb nicht erlauben.“
Fisa muss sich wichtige Fragen stellen
Über die Bücher gehen muss auch die Fisa, die ihr Risiko, erstmals Weltmeisterschaften nach Asien zu vergeben, mit einer technisch einwandfreien Durchführung und einem selten so gesehenen Zuschaueraufmarsch (weit über 100000 Besucher über die gesamte WM-Woche) zwar belohnt sah, anderseits aber entscheiden muss, ob bei einer Beteiligung von lediglich zwei (Leichtgewichts-Achter der Männer) oder drei Booten (Zweier mit der Männer) in Zukunft Medaillen und damit WM-Titel vergeben werden oder nicht. Eine Straffung des Programms ist notwendig, die WM sind mit der Dauer von einer Woche zu lang. Und Rekordlisten auf Strecken zu führen, die mit mehr oder weniger starker Strömung alte Limiten wertlos machen, bringt nichts.
SCHWEIZERISCHER RUDERVERBAND
Ressort Kommunikation SRV
Markus Köchli